{"id":236410,"date":"2026-10-06T10:25:43","date_gmt":"2026-10-06T08:25:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rister.ch\/?p=236410"},"modified":"2026-10-06T10:26:01","modified_gmt":"2026-10-06T08:26:01","slug":"rohstoffhandel-firma-gruenden-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rister.ch\/de\/post\/rohstoffhandel-firma-gruenden-schweiz\/","title":{"rendered":"Eine Rohstoffhandelsfirma in der Schweiz gr\u00fcnden: keine Bewilligung, aber drei Grenzen, ab denen das Gesch\u00e4ft reguliert wird"},"content":{"rendered":"<div class=\"intro-box\">\n<p>F\u00fcr den Rohstoffhandel in der Schweiz braucht es keine Bewilligung. Keine Beh\u00f6rde erteilt eine Handelslizenz, kein Register f\u00fchrt die H\u00e4ndler, und f\u00fcr die T\u00e4tigkeit selbst gilt kein Mindestkapital: Eine Gesellschaft, die eine Ladung kauft, Eigentum daran erwirbt und sie weiterverkauft, untersteht dem gew\u00f6hnlichen Recht. Wer eine Rohstoffhandelsfirma gr\u00fcnden will, sollte deshalb nicht nach einer Erlaubnis fragen, sondern nach den drei Grenzen, ab denen aus einem Handelshaus ein reguliertes Unternehmen wird. Jede dieser Grenzen hat eine Zahl, und jede steht im Gesetz.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"table-of-contents\">\n<h3>Inhalt<\/h3>\n<ol>\n<li><a href=\"#standort\">Genf, Zug, Lugano: was der Standort bietet<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#bargeld\">Erste Grenze: Bargeld ab 100 000 Franken<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#fremde-rechnung\">Zweite Grenze: Handel auf fremde Rechnung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#sorgfaltspflichten\">Dritte Grenze: Sorgfaltspflichten f\u00fcr Mineralien und Gold<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#sanktionen\">Sanktionen und G\u00fcterkontrolle<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#mwst\">Mehrwertsteuer im Transithandel<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#gruendung\">Die Rohstoffhandelsfirma gr\u00fcnden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#faq\">H\u00e4ufige Fragen<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<h2 id=\"standort\">Genf, Zug, Lugano: was der Standort bietet<\/h2>\n<p>Das Eidgen\u00f6ssische Departement f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten z\u00e4hlt in der Schweiz \u00fcber 900 Rohstoff-Handelsfirmen mit rund 10 000 Besch\u00e4ftigten, die meisten davon in den Regionen Genf, Zug und Lugano. Jeder dieser Pl\u00e4tze hat sein eigenes Umfeld; im Tessin bietet die Lugano Commodity Trading Association sogar eine eigene Ausbildung im Rohstoffhandel an.<\/p>\n<p>Was der Standort tats\u00e4chlich liefert, ist Dichte. Inspektionsgesellschaften, Schifffahrtsanw\u00e4lte, Schiedsrichter, spezialisierte Versicherer und Banken, die eine Warensicherheit verstehen, sitzen in Reichweite. Erfahrene Trader, Operatoren und Risikomanager sind auffindbar. Nichts davon ist regulatorisch, und doch rechtfertigt genau das die Adresse.<\/p>\n<p>Was der Standort nicht liefert, ist eine Ausnahme. Die Pflichten weiter unten gelten f\u00fcr eine Zuger oder Genfer Handelsfirma genau gleich wie f\u00fcr jede andere Gesellschaft in der Schweiz. Die Vorstellung, ein Handelshaus stehe schon seiner Natur nach ausserhalb des Finanzmarktrechts, korrigieren wir in Erstgespr\u00e4chen am h\u00e4ufigsten, und zwar in beide Richtungen: Manche halten sich f\u00fcr reguliert, obwohl sie es nicht sind, andere \u00fcbersehen den Punkt, an dem sie es werden.<\/p>\n<h2 id=\"bargeld\">Erste Grenze: Bargeld ab 100 000 Franken<\/h2>\n<p>Das Geldw\u00e4schereigesetz (GwG) kennt seit dem 1. Oktober 2026 drei Kategorien: Finanzintermedi\u00e4re, H\u00e4ndlerinnen und H\u00e4ndler sowie Beraterinnen und Berater. H\u00e4ndler im Sinne des Gesetzes sind Personen, die \u00abgewerblich mit G\u00fctern handeln und dabei Bargeld entgegennehmen\u00bb. Eine Handelsfirma, die ausschliesslich \u00fcber Bank\u00fcberweisung oder Akkreditiv abrechnet, f\u00e4llt nicht unter diese Kategorie.<\/p>\n<p>Wer Bargeld annimmt, hat Pflichten, sobald er im Rahmen eines Handelsgesch\u00e4fts mehr als 100 000 Franken in bar entgegennimmt: Identifizierung der Vertragspartei, Feststellung der wirtschaftlich berechtigten Person und Dokumentation. Zwei Pr\u00e4zisierungen machen diese Grenze in der Praxis sch\u00e4rfer, als sie auf den ersten Blick aussieht.<\/p>\n<div class=\"rister-table-wrap\">\n<table class=\"rister-table\">\n<thead>\n<tr>\n<th>Fall<\/th>\n<th>Schwelle<\/th>\n<th>Grundlage<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Bargeld in einem Handelsgesch\u00e4ft<\/td>\n<td>mehr als 100 000 Franken<\/td>\n<td>Art. 8a Abs. 1 GwG<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Edelmetalle oder Edelsteine<\/td>\n<td><strong>15 000 Franken<\/strong><\/td>\n<td>Art. 8a Abs. 2bis GwG, in Kraft seit 1.10.2026<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zahlung in mehreren Tranchen<\/td>\n<td>Summe der Tranchen<\/td>\n<td>Art. 8a Abs. 3 GwG<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p class=\"rister-caption\">Quelle: Geldw\u00e4schereigesetz (SR 955.0), Fassung vom 1. Oktober 2026.<\/p>\n<\/div>\n<p>Die Schwelle f\u00fcr Edelmetalle und Edelsteine ist fast siebenmal tiefer und erst seit dem 1. Oktober 2026 in Kraft. Wer Artikel zitiert, die vor diesem Datum geschrieben wurden, findet sie nicht oder unter einer anderen Absatznummer. Die Regel gegen das Aufteilen steht ausdr\u00fccklich im Gesetz: Die Pflichten gelten auch dann, wenn die Barzahlung in mehreren Tranchen erfolgt, die einzeln unter der Schwelle liegen und zusammen dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Hinzu kommt eine Abkl\u00e4rungspflicht. Erscheint ein Gesch\u00e4ft ungew\u00f6hnlich, ohne dass seine Rechtm\u00e4ssigkeit erkennbar ist, oder gibt es Anhaltspunkte f\u00fcr Verm\u00f6genswerte aus einem Verbrechen, einem qualifizierten Steuervergehen, f\u00fcr die Verf\u00fcgungsmacht einer kriminellen oder terroristischen Organisation oder f\u00fcr Terrorismusfinanzierung, muss der H\u00e4ndler Hintergrund und Zweck abkl\u00e4ren.<\/p>\n<h2 id=\"fremde-rechnung\">Zweite Grenze: Handel auf fremde Rechnung<\/h2>\n<p>Die zweite Grenze trennt den H\u00e4ndler vom Finanzintermedi\u00e4r. Das Gesetz nennt als Finanzintermedi\u00e4re unter anderem Personen, die \u00abf\u00fcr eigene oder fremde Rechnung mit Banknoten und M\u00fcnzen, Geldmarktinstrumenten, Devisen, Edelmetallen, Rohwaren und Effekten\u00bb handeln. F\u00fcr sich gelesen scheint der Satz jeden Rohstoffh\u00e4ndler zu erfassen, auch den, der nur auf eigene Rechnung kauft und verkauft.<\/p>\n<p>Die Geldw\u00e4schereiverordnung des Bundesrates (GwV) sagt jedoch genau, was als Handelst\u00e4tigkeit in diesem Sinn gilt, und sie ist enger, als der Gesetzestext vermuten l\u00e4sst. Bei Rohstoffen nennt Art. 5 Abs. 1 GwV in der seit dem 1. Oktober 2026 geltenden Fassung drei F\u00e4lle:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00abder b\u00f6rsliche Handel mit Rohwaren auf fremde Rechnung\u00bb;<\/li>\n<li>\u00abder ausserb\u00f6rsliche Handel mit Rohwaren auf fremde Rechnung, sofern die Rohwaren einen derart hohen Standardisierungsgrad aufweisen, dass sie jederzeit liquidiert werden k\u00f6nnen\u00bb;<\/li>\n<li>\u00abder Handel auf eigene Rechnung mit Bankedelmetallen\u00bb.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Daraus folgt eine klare Linie. Der physische Handel auf eigene Rechnung, also Kauf, Eigentum, Transport und Weiterverkauf einer Ladung, ist keine Finanzintermediation im Sinne von Art. 2 Abs. 3 GwG. Finanzintermedi\u00e4r wird, wer f\u00fcr Kunden an der B\u00f6rse handelt, wer ausserb\u00f6rslich f\u00fcr Kunden mit Rohwaren handelt, die so standardisiert sind, dass sie jederzeit liquidiert werden k\u00f6nnen, oder wer auf eigene Rechnung Bankedelmetalle handelt. Ein Finanzintermedi\u00e4r im Sinne von Art. 2 Abs. 3 GwG muss sich einer Selbstregulierungsorganisation (SRO) anschliessen.<\/p>\n<p>Drei Konstellationen verdienen einen zweiten Blick. Erstens die Handelsfinanzierung: Das Gesetz nennt das Kreditgesch\u00e4ft \u00abnamentlich durch Konsum- oder Hypothekarkredite, Factoring, Handelsfinanzierungen oder Finanzierungsleasing\u00bb ausdr\u00fccklich. Eine Vorauszahlung, die Teil des eigenen Einkaufs ist, ist etwas anderes als eine Finanzierung, die einem Produzenten als eigenst\u00e4ndige Leistung verkauft wird. Zweitens Strukturen, in denen die Gesellschaft Warenfl\u00fcsse f\u00fcr einen Produzenten abwickelt, statt auf eigenes Buch zu handeln. Drittens Derivate, die f\u00fcr Kunden statt zur eigenen Absicherung gehandelt werden.<\/p>\n<p>Dieselbe Logik trennt H\u00e4ndler und Makler. Der Makler bringt K\u00e4ufer und Verk\u00e4ufer zusammen und erh\u00e4lt eine Kommission, ohne Eigentum zu erwerben oder ein Preisrisiko zu tragen. Der H\u00e4ndler wird Eigent\u00fcmer und tr\u00e4gt das Risiko. Finanzierung, Buchhaltung und Aufsichtsrecht folgen aus diesem Unterschied, und er geh\u00f6rt deshalb in die Statuten und in die Vertr\u00e4ge, nicht nur in die Pr\u00e4sentation f\u00fcr die Bank.<\/p>\n<div class=\"rister-cta-inline\">\n<p class=\"rister-cta-kicker\">Ihr Handelshaus in der Schweiz<\/p>\n<p class=\"rister-cta-title\">Die Kreditlinie folgt einer Gesellschaft, die hier wirklich entscheidet<\/p>\n<p>Gr\u00fcndung der AG oder GmbH, auf Wunsch mit Kapital in US-Dollar, Sitz und Handelsregistereintrag, Buchhaltung f\u00fcr Ladungen, offene Positionen und Absicherungen, Mehrwertsteuer f\u00fcr Lieferungen, die die Schweiz nie ber\u00fchren, L\u00f6hne des Trading- und Operations-Teams: RISTER\u00ae baut die Struktur auf und f\u00fchrt sie, damit das Gespr\u00e4ch mit der Handelsfinanzierung auf einem soliden Dossier beginnt.<\/p>\n<p>    <a class=\"rister-cta-button\" href=\"https:\/\/www.rister.ch\/de\/kontakt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gespr\u00e4ch vereinbaren<\/a><br \/>\n    <span class=\"rister-cta-note\">RISTER \u2013 Treuhand in Genf, Antwort innert eines Arbeitstages.<\/span>\n<\/div>\n<h2 id=\"sorgfaltspflichten\">Dritte Grenze: Sorgfaltspflichten f\u00fcr Mineralien und Gold<\/h2>\n<p>Die dritte Grenze stammt aus dem Obligationenrecht. Unternehmen mit Sitz, Hauptverwaltung oder Hauptniederlassung in der Schweiz m\u00fcssen in der Lieferkette Sorgfaltspflichten einhalten und dar\u00fcber Bericht erstatten, wenn sie \u00abZinn, Tantal, Wolfram oder Gold enthaltende Mineralien oder Metalle aus Konflikt- und Hochrisikogebieten in den freien Verkehr der Schweiz \u00fcberf\u00fchren oder in der Schweiz bearbeiten\u00bb, oder wenn sie Produkte oder Dienstleistungen anbieten, bei denen ein begr\u00fcndeter Verdacht auf Kinderarbeit besteht (Art. 964j OR).<\/p>\n<p>Zuerst entscheidet das Territorium. Die Pflicht kn\u00fcpft an Ware an, die in der Schweiz in den freien Verkehr \u00fcberf\u00fchrt oder in der Schweiz bearbeitet wird. Ein grosser Teil des Schweizer Rohstoffhandels betrifft Ladungen, die nie in die N\u00e4he der Grenze kommen. Diese Fl\u00fcsse fallen nicht unter Art. 964j OR, was \u00fcber das Sanktionsrecht allerdings nichts aussagt.<\/p>\n<p>Dann entscheidet die Menge. Die Verordnung \u00fcber Sorgfaltspflichten und Transparenz bez\u00fcglich Mineralien und Metallen aus Konfliktgebieten und Kinderarbeit (VSoTr) legt die Jahresmengen fest, bis zu denen ein Unternehmen befreit ist, in Kilogramm pro Jahr. Die Abst\u00e4nde zwischen den Zeilen \u00fcberraschen.<\/p>\n<div class=\"rister-table-wrap\">\n<table class=\"rister-table\">\n<thead>\n<tr>\n<th>Bezeichnung<\/th>\n<th>Tarifnummer<\/th>\n<th>Befreit bis (kg pro Jahr)<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Golderze und ihre Konzentrate<\/td>\n<td>ex 2616 90 00<\/td>\n<td>4 000 000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Gold, in Rohform oder in Form von Halbzeug oder Pulver<\/strong><\/td>\n<td>ex 7108<\/td>\n<td><strong>100<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zinnerze und ihre Konzentrate<\/td>\n<td>2609 00 00<\/td>\n<td>5 000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zinn, in Rohform<\/td>\n<td>8001<\/td>\n<td>100 000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Wolframerze und ihre Konzentrate<\/td>\n<td>2611 00 00<\/td>\n<td>250 000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Wolfram, in Pulverform<\/td>\n<td>8101 10 00<\/td>\n<td>2 500<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Tantalerze oder Nioberze und ihre Konzentrate<\/td>\n<td>ex 2615 90 00<\/td>\n<td>100 000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Tantalate<\/td>\n<td>ex 2841 90 00<\/td>\n<td>30<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p class=\"rister-caption\">Quelle: VSoTr (SR 221.433), Anhang 1, Teile A (Erze) und B (Metalle), in Kraft seit 1. Januar 2024. Auszug: der Anhang f\u00fchrt 23 Zeilen.<\/p>\n<\/div>\n<p>Hundert Kilogramm Gold pro Jahr gegen vier Millionen Kilogramm Golderz. Nehmen wir eine Zuger Gesellschaft, die j\u00e4hrlich 120 Kilogramm Rohgold aus einer Mine in Westafrika einf\u00fchrt und an eine Tessiner Raffinerie verkauft: Sie h\u00e4lt sich unterhalb der Schwelle, weil sie an die Erzzeile denkt, und liegt in Wahrheit dar\u00fcber. Kontrolliert ein Unternehmen weitere Unternehmen, z\u00e4hlt zudem die Menge der ganzen Gruppe (Art. 4 Abs. 2 VSoTr).<\/p>\n<p>Die Verordnung sieht zwei Auswege vor, und beide verlangen Dokumentation statt Wegsehen. Ergibt die Pr\u00fcfung, dass die Mineralien und Metalle nicht aus einem Konflikt- oder Hochrisikogebiet stammen, h\u00e4lt das Unternehmen diese Feststellung fest und ist von den Sorgfalts- und Berichterstattungspflichten befreit (Art. 3 Abs. 2 VSoTr). Gleiches gilt, wenn kein begr\u00fcndeter Verdacht auf Kinderarbeit besteht (Art. 5 Abs. 2). Kleine und mittlere Unternehmen m\u00fcssen den Verdacht auf Kinderarbeit gar nicht pr\u00fcfen, solange sie mit den kontrollierten Gesellschaften in zwei aufeinanderfolgenden Gesch\u00e4ftsjahren zwei der drei Gr\u00f6ssen unterschreiten: 20 Millionen Franken Bilanzsumme, 40 Millionen Franken Umsatz, 250 Vollzeitstellen (Art. 6 Abs. 2).<\/p>\n<div class=\"important-box\">\n<h4>Wichtig<\/h4>\n<p>Wer die Pflichten nicht abwendet, muss ein Managementsystem einrichten, Risiken in der Lieferkette ermitteln und mindern, die Einhaltung bei Mineralien und Metallen durch eine unabh\u00e4ngige Fachperson pr\u00fcfen lassen und j\u00e4hrlich einen Bericht ver\u00f6ffentlichen, der zehn Jahre \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich bleibt (Art. 964k und 964l OR).<\/p>\n<\/div>\n<h2 id=\"sanktionen\">Sanktionen und G\u00fcterkontrolle<\/h2>\n<p>Seit 2022 besch\u00e4ftigt kein Thema die Compliance-Abteilungen der Branche st\u00e4rker. Die Schweiz setzt Sanktionen \u00fcber Verordnungen um, die sich auf das Embargogesetz st\u00fctzen, und vollzogen werden sie vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (SECO). Die Verbote stehen in diesen Verordnungen, nicht im Rahmengesetz: gelistete Personen und Organisationen, beschr\u00e4nkte G\u00fcter, Preisobergrenzen, Massnahmen zu Seetransport und Versicherung.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine neue Gesellschaft ist die Reihenfolge entscheidend. Das Screening geh\u00f6rt vom ersten Gesch\u00e4ft an in den Abwicklungsprozess und erfasst Gegenpartei, wirtschaftlich berechtigte Person, Schiff und Herkunft der Ladung, gemessen an Listen, die sich oft \u00e4ndern. Unabh\u00e4ngig davon k\u00f6nnen G\u00fcter unter das G\u00fcterkontrollgesetz fallen, etwa als doppelt verwendbare G\u00fcter, auch wenn kein Sanktionsregime greift.<\/p>\n<div class=\"conseil-rister\">\n<h4>Rat von RISTER<\/h4>\n<p>Legen Sie die Screening-Regel schriftlich fest, bevor das erste Gesch\u00e4ft l\u00e4uft: wer pr\u00fcft, gegen welche Listen, wann erneut. Eine Bank, die eine Handelslinie er\u00f6ffnet, fragt genau nach diesem Dokument, und eine Firma, die es erst nach der ersten Transaktion schreibt, verliert Wochen.<\/p>\n<\/div>\n<h2 id=\"mwst\">Mehrwertsteuer im Transithandel<\/h2>\n<p>Viele Schweizer Handelsfirmen verkaufen Ware, die zwischen zwei ausl\u00e4ndischen Staaten f\u00e4hrt, ohne die Schweiz zu ber\u00fchren. Das Mehrwertsteuergesetz legt den Ort der Lieferung dort fest, wo sich der Gegenstand bei der Verschaffung der Verf\u00fcgungsmacht befindet, oder dort, wo die Bef\u00f6rderung zum Abnehmer beginnt (Art. 7 Abs. 1 MWSTG). Eine Ladung, die in Brasilien gekauft und nach China verkauft wird, ist eine Lieferung im Ausland: Auf dem Verkauf liegt keine Schweizer Mehrwertsteuer.<\/p>\n<p>Daraus folgt nicht, dass die Gesellschaft ausserhalb der Mehrwertsteuer steht, und hier irren sich viele Gr\u00fcnder. Steuerpflichtig ist, wer ein Unternehmen mit Sitz in der Schweiz betreibt. Befreit ist nur, wer \u00abinnerhalb eines Jahres im In- und Ausland weniger als 100 000 Franken Umsatz\u00bb erzielt (Art. 10 Abs. 2 Bst. a MWSTG). Eine Schweizer Handelsfirma, die nur im Ausland liefert, wird also ab 100 000 Franken weltweitem Umsatz steuerpflichtig.<\/p>\n<p>Das ist eher ein Vorteil als eine Last. Der Vorsteuerabzug f\u00fcr Leistungen, die im Ausland erbracht wurden, ist im selben Umfang m\u00f6glich, wie wenn sie im Inland erbracht worden w\u00e4ren (Art. 29 Abs. 1bis MWSTG). Die Gesellschaft holt die Schweizer Mehrwertsteuer auf Miete, Beratung, Inspektion und Software zur\u00fcck, w\u00e4hrend ihre Verk\u00e4ufe keine Schweizer Steuer tragen. Gesch\u00e4fte, die die Schweiz tats\u00e4chlich ber\u00fchren, etwa eine Einfuhr oder eine Lieferung im Inland, folgen dem ordentlichen Regime. Unser <a href=\"https:\/\/www.rister.ch\/de\/service\/steuervertreter-mwst-schweiz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehrwertsteuer-Service<\/a> kl\u00e4rt die Abrechnung, bevor das erste Gesch\u00e4ft gebucht ist.<\/p>\n<h2 id=\"gruendung\">Die Rohstoffhandelsfirma gr\u00fcnden<\/h2>\n<p>Die meisten Handelsh\u00e4user w\u00e4hlen die AG, wegen der Kapitalstruktur und weil Gegenparteien und Banken sie erwarten. Die GmbH bleibt f\u00fcr einen kleinen Desk m\u00f6glich. Das Aktienkapital betr\u00e4gt mindestens 100 000 Franken, wovon bei der Gr\u00fcndung mindestens 50 000 Franken einbezahlt sein m\u00fcssen; die GmbH braucht 20 000 Franken Stammkapital (Art. 621, 632 und 773 OR).<\/p>\n<p>Ein Punkt ist f\u00fcr den Rohstoffhandel besonders n\u00fctzlich: Seit dem neuen Aktienrecht ist ein Aktienkapital \u00abin der f\u00fcr die Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit wesentlichen ausl\u00e4ndischen W\u00e4hrung\u00bb zul\u00e4ssig, bei der Errichtung im Gegenwert von mindestens 100 000 Franken (Art. 621 Abs. 2 OR). Wer in US-Dollar kauft, verkauft und finanziert, kann Kapital, Buchf\u00fchrung und Rechnungslegung in Dollar f\u00fchren. Gleiches gilt f\u00fcr die GmbH (Art. 773 Abs. 2 OR).<\/p>\n<p>Drei Dinge sind f\u00fcr den Handel spezifisch:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die Buchhaltung<\/strong> muss von Anfang an f\u00fcr die T\u00e4tigkeit gebaut sein. Ladungen unterwegs, offene Positionen und Absicherungen passen nicht in einen Standard-Kontenplan; unser Beitrag zum <a href=\"https:\/\/www.rister.ch\/de\/post\/kontenplan-schweiz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kontenplan in der Schweiz<\/a> legt die Grundlage.<\/li>\n<li><strong>Das Bankkonto<\/strong> wird parallel zur Gr\u00fcndung vorbereitet, nicht danach. Die Bank verlangt Angaben zu Gegenparteien, Warenfl\u00fcssen und Herkunft der Mittel, bevor sie die Gesellschaft als Kundin aufnimmt.<\/li>\n<li><strong>Die Substanz<\/strong> entscheidet \u00fcber die Handelsfinanzierung. Eine Bank pr\u00fcft Erfahrung des Teams, Risikomanagement, revidierte Abschl\u00fcsse und ob die Entscheide wirklich in der Schweiz fallen. Eine Gesellschaft, deren Leitung im Ausland sitzt und deren Schweizer Pr\u00e4senz sich auf eine Adresse beschr\u00e4nkt, erh\u00e4lt kaum eine Linie, was immer im Handelsregister steht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Den Ablauf der Gr\u00fcndung selbst beschreibt unsere Seite zur <a href=\"https:\/\/www.rister.ch\/de\/service\/firmengrundung-in-genf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Firmengr\u00fcndung in Genf<\/a>. Wer Waren physisch einf\u00fchrt oder bearbeitet, findet in unseren Leitf\u00e4den f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.rister.ch\/de\/post\/industrieunternehmen-gruenden-schweiz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Industrieunternehmen<\/a> und f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.rister.ch\/de\/post\/transportunternehmen-gruenden-schweiz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Transport<\/a> die Regeln, die dann zus\u00e4tzlich gelten. Die laufende Buchhaltung, L\u00f6hne und Steuern \u00fcbernimmt unsere <a href=\"https:\/\/www.rister.ch\/de\/service\/allgemeine-administration-buchhaltung-loehne-steuern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">allgemeine Administration<\/a>.<\/p>\n<section id=\"faq\">\n<h2>H\u00e4ufige Fragen zur Gr\u00fcndung einer Rohstoffhandelsfirma<\/h2>\n<div class=\"question\">\n<h3>Braucht man in der Schweiz eine Bewilligung f\u00fcr den Rohstoffhandel?<\/h3>\n<p>Nein. Das Schweizer Recht kennt keine Bewilligung f\u00fcr den physischen Rohstoffhandel und kein besonderes Mindestkapital f\u00fcr diese T\u00e4tigkeit. Pflichten entstehen erst durch Bargeld \u00fcber den Schwellen des Geldw\u00e4schereigesetzes, durch Handel auf fremde Rechnung im Sinne von Art. 5 GwV oder durch die Einfuhr und Bearbeitung bestimmter Mineralien und Metalle in der Schweiz.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"question\">\n<h3>Ab welchem Bargeldbetrag gelten die Pflichten des Geldw\u00e4schereigesetzes?<\/h3>\n<p>Ab mehr als 100 000 Franken in bar in einem Handelsgesch\u00e4ft, und seit dem 1. Oktober 2026 ab 15 000 Franken, wenn es um Edelmetalle oder Edelsteine geht (Art. 8a Abs. 1 und 2bis GwG). Mehrere Teilzahlungen, die einzeln darunter und zusammen dar\u00fcber liegen, werden zusammengez\u00e4hlt.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"question\">\n<h3>Wann wird ein Rohstoffh\u00e4ndler zum Finanzintermedi\u00e4r?<\/h3>\n<p>Wenn er Rohwaren an der B\u00f6rse auf fremde Rechnung handelt, wenn er ausserb\u00f6rslich auf fremde Rechnung mit Rohwaren handelt, die jederzeit liquidiert werden k\u00f6nnen, oder wenn er auf eigene Rechnung Bankedelmetalle handelt (Art. 5 Abs. 1 GwV). Der physische Handel auf eigene Rechnung geh\u00f6rt nicht dazu. Ein Finanzintermedi\u00e4r muss sich einer Selbstregulierungsorganisation anschliessen.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"question\">\n<h3>Ab welcher Menge Gold gelten die Sorgfaltspflichten?<\/h3>\n<p>Ab 100 Kilogramm pro Jahr f\u00fcr Gold in Rohform, als Halbzeug oder Pulver, gegen\u00fcber 4 000 000 Kilogramm f\u00fcr Golderze und ihre Konzentrate (Anhang 1 VSoTr). Kontrolliert ein Unternehmen weitere Gesellschaften, z\u00e4hlt die Menge der ganzen Gruppe. Die Pflicht gilt nur f\u00fcr Ware, die in der Schweiz in den freien Verkehr \u00fcberf\u00fchrt oder bearbeitet wird.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"question\">\n<h3>Ist eine Schweizer Handelsfirma mehrwertsteuerpflichtig, wenn die Ware die Schweiz nie ber\u00fchrt?<\/h3>\n<p>Ja, ab 100 000 Franken Umsatz im In- und Ausland. Die Verk\u00e4ufe selbst sind Lieferungen im Ausland und tragen keine Schweizer Mehrwertsteuer, die Gesellschaft ist aber steuerpflichtig und kann die Vorsteuer auf ihren Schweizer Kosten zur\u00fcckfordern (Art. 7, 10 Abs. 2 Bst. a und 29 Abs. 1bis MWSTG).<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"question\">\n<h3>Kann das Kapital einer Rohstoffhandelsfirma in US-Dollar lauten?<\/h3>\n<p>Ja. Seit dem 1. Januar 2023 ist ein Aktien- oder Stammkapital in der f\u00fcr die Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit wesentlichen ausl\u00e4ndischen W\u00e4hrung zul\u00e4ssig, bei der Gr\u00fcndung im Gegenwert von mindestens 100 000 Franken f\u00fcr die AG und 20 000 Franken f\u00fcr die GmbH. Buchf\u00fchrung und Rechnungslegung erfolgen dann in derselben W\u00e4hrung (Art. 621 Abs. 2 und 773 Abs. 2 OR).<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/section>\n<section id=\"sources\">\n<h2>Quellen<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/1998\/892_892_892\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geldw\u00e4schereigesetz, GwG (SR 955.0), Art. 2 und 8a, Fassung vom 1. Oktober 2026<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2015\/791\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geldw\u00e4schereiverordnung, GwV (SR 955.01), Art. 5, Fassung vom 1. Oktober 2026<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/27\/317_321_377\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Obligationenrecht (SR 220), Art. 621, 632, 773 und 964j bis 964l<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2021\/847\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verordnung \u00fcber Sorgfaltspflichten und Transparenz bez\u00fcglich Mineralien und Metallen aus Konfliktgebieten und Kinderarbeit, VSoTr (SR 221.433), Art. 3 bis 6 und Anhang 1<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2009\/615\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehrwertsteuergesetz, MWSTG (SR 641.20), Art. 7, 10 und 29<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2002\/564\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Embargogesetz, EmbG (SR 946.231)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/1997\/1697_1697_1697\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">G\u00fcterkontrollgesetz, GKG (SR 946.202)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.aboutswitzerland.eda.admin.ch\/de\/rohstoffhandel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EDA, aboutswitzerland: Rohstoffhandel (Stand 27. Dezember 2023)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/section>\n<div class=\"conclusion-box\">\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Rohstoffhandel in der Schweiz verlangt keine Bewilligung, und gerade das hat Genf, Zug und Lugano zu Handelspl\u00e4tzen gemacht. Die Arbeit liegt an den Grenzen: Bargeld \u00fcber 100 000 Franken, \u00fcber 15 000 Franken bei Edelmetallen und Edelsteinen; Handel auf fremde Rechnung, wie ihn Art. 5 GwV umschreibt; 100 Kilogramm Gold pro Jahr, ab denen die Sorgfaltspflichten greifen; ein Sanktions-Screening, das in den Ablauf geh\u00f6rt und nicht daneben. Dazu kommt eine Mehrwertsteuerpflicht, die viele Gr\u00fcnder \u00fcbersehen und die sich in der Regel zu ihren Gunsten auswirkt. RISTER\u00ae gr\u00fcndet und f\u00fchrt Handelsgesellschaften in der Schweiz, vom Handelsregistereintrag \u00fcber die Buchhaltung in der Gesch\u00e4ftsw\u00e4hrung bis zur Mehrwertsteuer und den L\u00f6hnen des Operations-Teams.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Rohstoffhandel in der Schweiz braucht es keine Bewilligung. Keine Beh\u00f6rde erteilt eine Handelslizenz, kein Register f\u00fchrt die H\u00e4ndler, und f\u00fcr die T\u00e4tigkeit selbst gilt kein Mindestkapital: Eine Gesellschaft, die eine Ladung kauft, Eigentum daran erwirbt und sie weiterverkauft, untersteht dem gew\u00f6hnlichen Recht. Wer eine Rohstoffhandelsfirma gr\u00fcnden will, sollte deshalb nicht nach einer Erlaubnis [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":236445,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[139,1],"tags":[],"class_list":["post-236410","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert","category-non-classifiee"],"rank_math":{"rank_math_title":"Rohstoffhandel in der Schweiz: Handelsfirma gr\u00fcnden ohne Bewilligung","rank_math_description":"F\u00fcr den Rohstoffhandel in der Schweiz gibt es keine Bewilligung. 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